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 Übertragungswahrscheinlichkeit bei ungesch. GV bei VL < 5

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Bernd
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BeitragVerfasst am: 23.02.2008, 16:08    Übertragungswahrscheinlichkeit bei ungesch. GV bei VL < 5 Antworten mit ZitatNach oben

Hi,

nicht erst, seit die Eidgenössische Kommission für AIDS-Fragen (EKAF) der Schweiz Ende Januar eine Stellungnahme zu diesem Thema abgegeben hat, wird in Fachkreisen (und nicht nur dort) seit mehreren Jahren heftig darüber debattiert, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung ist, wenn ein unter erfolgreicher Therapie eingestellter HIV-Positiver (also Viruslast unter der Nachweisgrenze) ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem HIV-Negativen hat.

Als Attachment die Stellungnahme der EKAF, zwei Literaturübersichten auf Deutsch. Eine vom Robert-Koch-Institut und eine vom HIV.Report. Dazu ergänzend die Rede von Maya Czajka im Rahmen des Parlamentarischen Abends vor knapp zwei Wochen.

Bevor jetzt möglicherweise die Gemüter hier hoch kochen, empfehle ich doch dringend, die Attachments zu lesen, denn bei dieser ganzen Debatte geht es um ganz spezifische Situationen und eben keineswegs um eine Aufhebung der bisherigen Safer-Sex-Botschaften.

Ich habe das Thema in das Diskussionsforum der PoBe 2009 eingestellt, weil ich der Überzeugung bin, dass das ein wichtiges Thema für dieses Jahr und auch die PoBe ist (und die Vorbereitungsgruppe sieht das genauso).

Gruß

Bernd



Rede_Czajka_14.02.2008.pdf
 Beschreibung:
Rede Maya Czajka

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2008_01_HIVReport.pdf
 Beschreibung:
HIV.Report mit eigener Literaturübersicht

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Viruslast_Infektionsrisiko.pdf
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Literaturüberblick des RKI

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2008_02_HIVReport.pdf
 Beschreibung:
HIV.Report mit der Stellungnahme der EKAF

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ondamaris
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BeitragVerfasst am: 24.02.2008, 14:48    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

wer sich für weitere reaktionen in presse & co interessiert, die (wesentlichen) versuche ich hier fortlaufend zusammenzustellen
http://www.ondamaris.de/?p=1250

neben den auswirkungen auf präventions-debatten und richtungen ist mir wichtig auch die frage, welche auswirkungen dies auf positives selbstverständnis haben kann (schön, dass maya das stichwort der 'ent-ängstigung' in ihrer rede erwähnt hat)

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Bernd
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BeitragVerfasst am: 24.02.2008, 15:57    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

HI Ulli,

Danke für den Link und die wunderbare Sammlung von Medienberichten. Mir fehlt schlicht die Zeit, hinter so was her zu sein.

Wenn ich die Motivation der EKAF richtig verstanden habe, ging es ihnen - neben der ethischen Grundhaltung, (HIV-positive) Menschen an den Stellen zu entlasten, an denen sie verantwortlich entlastet werden können - auch darum, entstigmatisierend zu intervenieren. Einerseits in Richtung der Justiz, damit HIV nicht mehr nach dem Brunnenvergifterparagraphen (Feindstrafrecht) abgeurteilt wird, andererseits aber auch in Richtung potentieller Arbeitgeber (und der Gesamtgesellschaft), die ja - wie wir ja auch aus Deutschland wissen - völlig abstruse Vorstellungen darüber haben, wie "gefährlich" HIV-Positive sind (sprich: wie leicht man sich anstecken kann).

Die Vorbereitungsgruppe der PoBe hat die Konferenz unter das Oberthema (Selbst)Stigmatisierung gestellt und natürlich ist sie der Überzeugung, dass das Auswirkungen auf unser Selbstverständnis haben kann und MUSS. (Das öffentliche Protokoll der letzten Sitzung ist noch in der Mache, sollte aber in etwa einer Woche online sein.)

Was ich persönlich allerdings für die interessantere Frage halte, ist im Grunde eine Machtfrage.

Ich will es mal so formulieren: Der bisherige "Goldstandard" der HIV-Primärprävention ist der konsequente Gebrauch von Kondomen - ausnahmslos. Folgt man der wissenschaftlichen Datenlage, reduziert im gelebten Leben dieser Goldstandard die Übertragungswahrscheinlichkeit (bei Heterosex) um etwa 80 %. Aufgrund der anatomischen und sonstigen Gegebenheiten, muss man davon ausgehen, dass das bei Homosex weniger ist.

Kommt nun eine andere Präventionsmethode auf den Markt, die (zumindest für klar definierte Situationen) eine Effektivität hat, die mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar deutlich besser, als der Goldstandard ist, sollte man doch annehmen, dass alle Bravo schreien. Tun sie aber nicht.

Wer definiert also, wie effektiv Primärpräventionsmethoden sein müssen, um propagiert werden zu können? Und wer entscheidet in dieser (auch wissenschaftlichen Debatte) was wahr und was unwahr ist - also welche Daten belastbar sind und welche nicht?

Und auch hier (wie ja im Thread über die Gründer der Verschiebung der PoBe auch schon) stellt mir die Frage, was die ethischen Grundhaltung der DAH in der Primär- und Sekundärprävention eigentlich ist.

Ich habe am Rande der CROI deutschen Behandler, die - wie zu erwarten - sehr deutlich gegen das EKAF-Papier waren nach Gründen gefragt. Einer der Hauptgründe (übrigens hat TRT5 erschreckenderweise genauso argumentiert) war die Befürchtung/Annahme, dass es den ein oder anderen HIV-Positiven gibt, der das Ganze missverstehen könnte oder das EKAF-Papier dazu verwendet, sein eigenes Verhalöten zu rechtfertigen. Auf meine Frage, wieviel von ihren Patieten sie denn in diese Kategorie von rücksichts- und verantwortungslosen Rumfickern stecken würden, denen es völlig egal ist. ob sie jemanden anderes anstecken oder nciht, meinte sie übereinstimmen um die 1 % allerhöchstens 2 %. (Auf meine Frage, ob sie glauben würden, dass diese Personen sich anders verhalten würden, wenn die EKAF geschwiegen hätte, meinten alle NEIN). Aber mein eigentlicher Punkt in der Diskussion war: Was ist die ethische Begründung dafür, 98 - 99% der Menschen mit HIV nicht zu entlasten? Das ist Stigmatisierung, Diskriminierung, Sippenhaft, Kollektivschuld ...

Hier wird unübersehbar deutlich, dass seit Jahren Primärprävention auf dem Rücken der HIV-Positiven ausgetragen wird.

Ein nettes Beispiel zum Schluss: In der im Juli 2007 in Frankfurt verabschiedeten Fassung der Deutsch/Österreichischen Therapieempfehlungen (die noch nicht veröffentlicht sind und u.a. an dem folgenden Punkt aufgrund meiner Interventionen weiter bearbeitet werden) findet sich folgender Absatz:

"Ein Teil der HIV-Infizierten verwendet aus unterschiedlichen Gründen bei penetrierendem Vaginal- oder Analverkehr nicht konsequent Kondome. "

Ich habe dazu angemerkt:

"1. Hier wird Schuld verteilt. ...

2. Auch an dieser Stelle - wie sonst überall auch - wird suggeriert, dass geschützter Sex sicher ist. Und das ist er nun mal nicht.

Um es vielleicht noch mal deutlicher zu machen, wie stark stigmatisierend und diskriminierend diese Formulierungen sind:

Was würde es wohl für ein Geschrei geben, wenn ich diesen Satz so formuliert hätte:

Ein Teil der HIV-Negativen verwendet aus unterschiedlichen Gründen bei Vaginal- oder Analverkehr nicht konsequent Kondome."

Grüße

Bernd

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ralf
Gast










BeitragVerfasst am: 24.02.2008, 18:51    Noch viele Fragen... Antworten mit ZitatNach oben

ich habe mich auch über die Rede von Maja gefreut, wo sie u. a. auf die Bedeutung der Ent-Ängstigung der Menschen eingeht, die in sog. diskordanten Partnerschaften leben (weshalb ich das Schweizer Papier bei aller Kritik begrüße).

Nach meiner Ansicht ist nicht nur die Kritik berechtigt, dass das Schweizer Papier gar nicht das höhere Ansteckungsrisiko bei Analverkehr im Vergleich zum Vaginalverkehr beachtet.
Das Schweizer Papier lässt auch viele Fragen offen, die mit der Aussage verbunden sind, dass die HIV-infizierte Person nicht Träger einer anderen sexuell übertragbaren Infektion sein darf.

Z., B. folgende drei sexuell übertragbare Infektionen: Chlamydien (diese können Erkrankungen der Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und Genitalbereich auslösen), HPV (engl. human papilloma virus, deren häufigste Folge Feigwarzen sind) und Herpes gentialis.
Alle drei Infektionen werden meines Wissens nur diagnostiziert, wenn diese Probleme machen. Da das aber in der Regel nicht der Fall ist, wissen die Träger dieser Infektion in der Regel nichts von dieser Infektion. Bei Chlamydien z. B. treten laut Wikipedia bei 80 % der infizierten Menschen keine Symptome auf. Wikipedia veröffentlicht, dass in deutschen Großstädten bis zu zehn Prozent der jungen Frauen infiziert sind. Die Verbreitung unter sexuell aktiven schwulen Männer wird weit höher sein.
Das Robert Koch Institut geht in seinem Papier davon aus, dass etwa 30 – 50% der HIV-positiven Männer, die Sex mit Männern haben, chronisch Herpes genitalis infiziert sind.
Nach meinem Einschätzung dürft es fast gar keine schwule Paare geben, bei denen die Voraussetzungen des Schweizer Berichtes erfüllt sind. In der Regel dürfte einer von beiden Partnern eine der oben genannten drei Infektionen haben. Mich wundert, dass ich bislang keine Artikel im Internet gefunden habe, die sich mit dem Schweizer Papier befassen, die hierzu genauere Einschätzungen und Aussagen treffen. Weiß jemand hierzu sachdienliche Quellen im Internet?

Ebenso lässt das Schweizer Papier offen, ob auch andere Infektionen (z. B. eine Grippe) das Ansteckungsrisiko signifikant erhöht (egal ob der positive odre der negative Partner Träger dieser anderen Infektionen ist). Ist dazu etwas bekannt?

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Gast











BeitragVerfasst am: 25.02.2008, 10:16    Re: Noch viele Fragen... Antworten mit ZitatNach oben

« ralf » hat folgendes geschrieben:

Nach meiner Ansicht ist nicht nur die Kritik berechtigt, dass das Schweizer Papier gar nicht das höhere Ansteckungsrisiko bei Analverkehr im Vergleich zum Vaginalverkehr beachtet.


Na ja ... sie hätten besser reinschreiben sollen, dass wenn sie Sex schreiben, sie nur Sex mit Reproduktionspotential meinen. Wer sein Weib von hinten besteigt, muss halt ein Gummi benutzten...

« ralf » hat folgendes geschrieben:
Z., B. folgende drei sexuell übertragbare Infektionen: Chlamydien (diese können Erkrankungen der Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und Genitalbereich auslösen), HPV (engl. human papilloma virus, deren häufigste Folge Feigwarzen sind) und Herpes gentialis.


Irgendwie scheint die STD-Gehirnwäsche der DAH, BZgA und der Ärzteschaft gut gewirkt zu haben. Schau dir doch mal die Daten zu HIV-Übertragungen und STDs an, anstatt auf das zu hören, was fälschlicherweise ständig kolportiert wird. Probleme bezüglich der HIV-Übertragung machen ulzerierende Genitalerkrankungen - und zwar völlig unabhängig von der Ursache dieser Ulzera. Dem HIV ist das völlig egal, ab das Ulzera von Lues, Herpes von einer im Hosenreißverschluß eingeklemmten Vorhaut oder einem Piercing kommt.

Macht aber ganz gut deutlich, was für ein immenser Kommunikationsaufwand Präventionisten haben werden, um Leuten die sogenannten Kofaktoren zu erklären.

« ralf » hat folgendes geschrieben:
Das Robert Koch Institut geht in seinem Papier davon aus, dass etwa 30 – 50% der HIV-positiven Männer, die Sex mit Männern haben, chronisch Herpes genitalis infiziert sind.


Geht davon aus heißt so viel wie Wetterbericht. Es gibt dazu keine Untersuchungen. Und selbst wenn, wäre die Infektion mit HSV-2 (im Übrigen auch mit HSV-1) per se völlig irrelevant. Wenn Herpes ausbricht und es eine akute Episode gibt, wird ein Probleme d'raus. Dann gibt es nämlich Ulzera.

« ralf » hat folgendes geschrieben:
Nach meinem Einschätzung dürft es fast gar keine schwule Paare geben, bei denen die Voraussetzungen des Schweizer Berichtes erfüllt sind. In der Regel dürfte einer von beiden Partnern eine der oben genannten drei Infektionen haben.


Wao! Erstens beschäftigt sich das Schweizer Papier nicht mit Schwuletten. Und zweitens scheinst du ja offensichtlich überhaupt keine Ahnung davon zu haben, dass es Schwule gibt, die nicht in Hochprävalenzzentren wie etwa Köln leben und sich nicht in Darkrooms und dergleichen rumtreiben. Die gibt es und sie machen - glaub es oder lass es - den größten Teil der MSM aus. Hoch die Tassen - es leben die Vorurteile!

« ralf » hat folgendes geschrieben:
Ebenso lässt das Schweizer Papier offen, ob auch andere Infektionen (z. B. eine Grippe) das Ansteckungsrisiko signifikant erhöht (egal ob der positive odre der negative Partner Träger dieser anderen Infektionen ist).


Stimmt, die haben Unfälle und Impfungen auch nicht erwähnt ... Es gibt eine ganze Mengen Daten dazu.

Warum sollten sie es erwähnt haben? Die Schweizer reiten nicht, ganz offensichtlich anders als Ralf, auf der 100%-Sicherheitsschiene.

Für mich wird an diesem Beitrag überdeutlich, dass die konkrete Auseinandersetzung über die individuelle Risikominimierungsstrategien in persönliche Beratung gehört. Nicht auf's Interent in Diskussionsbretter wie hier oder in Broschüren oder gar auf Plakate.

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epikrise
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BeitragVerfasst am: 25.02.2008, 15:53    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

@Gast ohne Namen
Bitte ein konstruktiverer und wertschätzenderer Ton!

meint der admin

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Bernd
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BeitragVerfasst am: 07.03.2008, 11:31    Stellungnahme Netzwerk plus Antworten mit ZitatNach oben

------------NETZWERK PLUS ZUM THEMA INFEKTIOESITAET VON HIV-POSITIVEN BEI VIRUSLAST UNTER DER NACHWEISGRENZE------------

Beim Treffen von Netzwerk plus vom 29.02.-02.03.2008 im Waldschlösschen haben wir uns mit dem Thema „Strategien der Risikominderung“ und den aktuellen Veröffentlichungen der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen beschäftigt.

Die schweizerische Kommission unter Vorsitz ihres Präsidenten Prof. Dr. Pietro Vernazza hat u.a. festgestellt:

„Bei Menschen, die konsequent antiretrovirale Medikamente einnehmen, kann man im Blut kein aktives Virus mehr nachweisen.“ „Eine HIV-infizierte Person
(...) ist sexuell nicht infektiös, d.h. sie gibt das HI-Virus ueber Sexualkontakte nicht weiter, solange folgende Bedingungen erfüllt sind:

- die antiretrovirale Therapie (ART) wird durch den HIV-infizierten Menschen eingehalten und durch den behandelnden Arzt kontrolliert;
- die Viruslast liegt seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze (d.h. die Virämie ist supprimiert);
- es bestehen keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern (STD).“

Die Veröffentlichungen aus der Schweiz haben auch in Deutschland eine kontroverse Diskussion über das Thema Infektiosität von HIV-Positiven bei Viruslast unter der Nachweisgrenze ausgelöst.

Selbst wenn dennoch ein Restrisiko bleibt, wie auch ein dokumentierter Fall aus Frankfurt zeigt, so ist gesichert, dass unter den o.g. Bedingungen die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung äusserst gering ist und sich im Rahmen allgemeiner Lebensrisiken bewegt.

Wir begrüssen die Veröffentlichung aus der Schweiz. Für Menschen mit HIV und Aids ist diese Information eine Erleichterung und eine konkrete Verbesserung ihrer Lebenssituation und -perspektiven. Sie entlastet sero-diskordante Partnerschaften gleich welcher sexuellen Orientierung von Ängsten und Schuldgefühlen. Sie erleichtert in allen Zusammenhängen den Umgang mit HIV.

Erfreulich ist, dass längst bekannte, bislang aber nur hinter vorgehaltener Hand weitergegebene Tatsachen, nun auch von offizieller Seite benannt werden und damit ein Tabu durchbrochen wird.

Für die Zukunft wünschen wir uns, dass weitere Diskussionen in Deutschland zu diesem Thema ebenfalls evidenzbasiert, von sachlichen Argumenten getragen und auf der Grundlage eines humanistischen Menschenbildes geführt werden. Wir halten es nicht für legitim, dass diese Debatte unterdrückt wird, mit dem Argument angeblicher intellektueller Defizite von Teilen der Zielgruppen der Prävention.

Wir fordern daher, dass die Erkenntnisse ohne Vorbehalte breit kommuniziert werden,
- um irrationale Ängste vor HIV-positiven Menschen abzubauen;
- das leichtere Sprechen über HIV zu ermöglichen und die Isolation vieler HIV-Positiver aufzubrechen;
- weil die Wahrheit nicht unterdrückt werden kann;
- weil informierte Menschen eher rational handeln können.

Es muss dringend dafür gesorgt werden, dass – unter Beteiligung der Betroffenen - Standards für die Beratung durch Ärzte und psychosoziale Beratungsstellen formuliert werden, damit Ratsuchende individualisierte sachgerechte Informationen über das Thema Sexualität bei Viruslast unter der Nachweisgrenze erhalten.

Die bisherigen Präventionsbotschaften für flüchtige sexuelle Begegnungen behalten ihre Gültigkeit. Damit Prävention in Zukunft glaubwürdig ist, müssen die Botschaften im Sinne eines lebensnahen Risikomanagements ergänzt und differenziert werden. Wenn Prävention HIV-positive Menschen als Partner behalten will, dann darf sie sie nicht wider besseres Wissen funktionalisieren, um Ängste hochzuhalten und zu schüren.

In den Fokus der Prävention geraten nun frisch infizierte Menschen, die ihre Infektion unwissentlich weitergeben können. Mythen von der Gefährlichkeit der Großstadt, von der Sicherheit ländlicher Räume und des eigenen Bettes müssen durch eine offene Kommunikation entzaubert werden. Ein sorgsamer, respektvoller Umgang miteinander muss befördert werden.

Weiterhin wird es zukünftig um Therapietreue und die überzogenen Ängste vor den Nebenwirkungen der Therapien sowie um Fragen der sexuellen Gesundheit insgesamt gehen. Testermutigung erhält eine neue Bedeutung, weil eine erfolgreich therapierte HIV-Infektion neue Perspektiven ermöglicht.

Die TeilnehmerInnen des Netzwerktreffens.

Göttingen, 02.03.2008

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Bernd
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BeitragVerfasst am: 07.03.2008, 11:37    posT Ausgabe März/April Antworten mit ZitatNach oben

Hi,

in der anhängenden Online-Ausgabe der posT finden sich einige interessante Artikel zum Thema.

Viel Spaß beim Lesen!

Bernd



Online posT März 2008.pdf
 Beschreibung:
posT (Online) Ausgabe März/April 2008

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Michael Jähme
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BeitragVerfasst am: 19.04.2008, 13:02    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

„Wir wollen eine Entängstigung!“

In der AIDS-Hilfe Wuppertal haben wir uns am 3. April mit 6 HIV-Positiven zu einem ersten intensiveren Meinungsaustausch zum Thema „Nicht Infektiosität bei wirksamer HIV-Therapie“ getroffen.

„Endlich sagen Ärzte das einmal öffentlich!“ – „Endlich bestätigen Ärzte, was schon lange vermutet wird.“ – „Es muss offen und öffentlicher darüber geredet werden!“ – „Ich bin froh, dass die Diskussion jetzt anfängt.“ – „Die Stellungnahme der EKAF entlastet – aber ich fühle mich trotzdem sehr zerrissen.“ – „In meinem Kopf schwirren viele Gedanken herum, die nicht zusammenpassen.“

Besonders bei HIV-positiven Frauen war die Nachricht der Schweizer AIDS-Kommission (EKAF) nichts Neues. Bereits seit vielen Jahren habe man über die Nicht-Infektiosität bei wirksamer Therapie gewusst. Das Wissen, dass in der Schwangerschaft durch den Einsatz der HIV-Medikamente das Ansteckungsrisiko für das Neugeborene gesenkt wird, besteht schon seit vielen Jahren. Warum ist Deutschland an der Spitze der Länder, in denen die meisten Kaiserschnittsgeburten stattfinden? Welche Interessen sind da im Spiel, die nichts mit Patienteninteressen zu tun haben? Frauen haben schon seit langem „im stillen Kämmerlein entschieden“, in Partnerschaften einvernehmlich auch Sex ohne Kondom zu leben, haben sich aber nicht getraut, mit anderen offen über diese ihre Entscheidungen zu reden. Mit der Veröffentlichung der EKAF ist ein tabuisiertes Thema gesprächsfähig geworden.

Über die eigenen behandelnden Ärzte wurde berichtet, dass diese früher auf die Frage nach dem „Infektionsrisiko beim Sex mit einer nicht nachweisbaren Viruslast unter Therapie“ und auch jetzt aktuell auf die Stellungnahme der EKAF überwiegend abwehrend reagieren und einem offenen Gespräch ausweichen oder sich kritisierend von der EKAF abgrenzen.

Wenige Tage zurückliegende Erfahrungen, wie Ärzte in einer Kurklinik durch den Kontakt mit Menschen mit HIV überfordert, mit Ansteckungsängsten und Fehleinschätzungen über Ansteckungsrisiken reagierten, belegen deutlich, dass selektiv aufgenommene Gefahrenbotschaften ohne ausreichendes Gesamtwissen nur unangemessene Reaktionen im Umgang mit HIV-Positiven bewirken.
Ein anderes aktuelles Beispiel für unrealistische Ängste wurde von einem Wupertaler Klinikum berichtet. Ein Arzt hatte sich zunächst geweigert, bei einem HIV-positiven Patienten eine angeordnete Gastroskopie/Koloskopie durchzuführen. Sein vorgesetzter Arzt hatte daraufhin interveniert, der Patient hatte aber auf die Durchführung der Behandlung durch den vorgesehenen Arzt verzichtet, weil das Vertrauensverhältnis bei diesem intimen Eingriff zu stark vorbelastet war. Eindeutig war mangelndes Wissen und Fehleinschätzung über die Infektiosität – der Patient hatte eine Viruslast unter Nachweisgrenze – der Grund für die ablehnende Haltung des Arztes.

Zitat: „Ich wünsche mir, dass HIV gleichgestellt wird zu anderen STD’s.“ Alle TeilnehmerInnen der Runde wünschten, dass die Vorurteile in der Gesellschaft aufhören mögen. Die Stellungnahme der EKAF bietet eine gute Möglichkeit, dies nun aktiver anzugehen und mit einer Stellungnahme der EKAF als einer renommierten Ärztegruppe auch offensiver legitimieren zu können.

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Bernd
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BeitragVerfasst am: 10.07.2008, 09:44    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Liebe LeserInnen,

zwischenzeitlich sind zu diesem Thema weitere Papiere produziert worden.
Eine deutsche Erwiderung auf die EKAF-Stellungnahme steht noch aus.

Das hat die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern aber nicht abgehalten, die in der Anlage zu findende Stellungnahme (nebst begleitendem Anschreiben) zu veröffentlichen.

Nun ja.

Gute Nerven beim Lesen

Bernd



K Meck.-Vorpom Memorandum Prävention der HIV-Infektion in Deutschland kompremiert.pdf
 Beschreibung:
Memorandum der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern zur HIV-Prävention

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K Meck.-Vorpom Anschreiben.pdf
 Beschreibung:
begleitendes Anschreiben der ÄK Mecklenburg-Vorpommern

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BeitragVerfasst am: 10.07.2008, 09:54    Stellungnahme aus der Selbsthilfe Antworten mit ZitatNach oben

'Silence = Death'?
oder:
Ich weiss was ich tu!


Die Eidgenössische Aids-Kommission für Aids-Fragen (EKAF, Bern/Schweiz) hat am 30. Januar 2008 ein Statement veröffentlicht, demzufolge Positive unter erfolgreicher Therapie (Viruslast mind. 6 Monate nicht nachweisbar) ohne sexuell übertragbare Infektionen „sexuell nicht infektiös“ sind. Zuvor war dieser Sachverhalt bereits seit Jahren auf wissenschaftlichen Konferenzen diskutiert worden. Die Deutsche Aids-Hilfe bemüht sich seitdem um eine eigene Stellungnahme, auch in Zusammenarbeit mit Robert-Koch-Institut und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bisher ist es leider ergebnislos bei dem Bemühen geblieben.

Wir begrüßen das Statement der EKAF und die breite Information der Öffentlichkeit, sowie die daraus resultierende breite Debatte.


Die Stellungnahme der EKAF bedeutet für Menschen mit HIV und Aids und ihre Partner, dass
- ein tabuisiertes Thema, die (eigene) HIV-Infektion, enttabuisiert und wieder Thema von Gesprächen wird.
- sich die Wahrnehmung von Positiven verändert, wieder mehr der Realität annähert.
- Positive weniger als Gefahr erlebt, Toleranz und Teilhabe steigen werden.
- auch das Selbstbild von Positiven sich verändert, normalisieren kann.
- die juristische Bewertung sich verändern wird.

Zudem wird durch die Veröffentlichung der EKAF die Kluft zwischen Präventions-Botschaften und Lebenspraxis geringer. Aidshilfe gewinnt so auch wieder eine größere Nähe an die Lebensrealität der Menschen und Glaubwürdigkeit ihrer Kampagnen zurück.


Wir fordern:

Information
Die Stellungnahme der EKAF sowie die verfügbaren Daten sind vorurteilsfrei und offen für jeden verständlich zu kommunizieren. Wissen darf nicht instrumentalisiert werden. Verschweigen ist Ausdruck von Mißtrauen. Information vorzuenthalten ist unethisch. Jeder Positive (& jeder Partner von Positiven) hat ein Recht auf Information über die Chancen und Risiken, die das EKAF-Statement für seine Lebenssituation bedeuten.

Keine Informations-Willkür
Die derzeitige Situation, dass nur ausgewählte Patienten bei ausgewählten Ärzten die Chancen des EKAF-Statements erfahren und umsetzen können, ist zynische Doppelmoral und unerträgliche Zensur. Wir fordern Information statt scheinbar wohlmeinender Klientelisierung. Niemand hat das Recht zu entscheiden, wer 'mündig genug' für diese Informationen ist, und wer nicht.

Sich den veränderten Realitäten stellen
Will Prävention nicht vollends unglaubwürdig werden, muss sie sich den veränderten Realitäten aktiv stellen – statt durch Schweigen oder fehlende Information die Entstehung neuer Mythen zu begünstigen. Weiteres Schweigen vergrößert nur den bereits angerichteten Schaden.

Mut zur eigenen Haltung
Aidshilfe hat (ihrem Leitbild zufolge) das Ziel, dass „jeder Einzelne informiert, selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit dem Risiko von HIV und Aids umgehen kann“. Die durch die EKAF aufgeworfenen Fragen, Information und daraus resultierenden Botschaften gehören zu den Kern-Aufgaben der DAH. Die DAH hat die hierfür erforderlichen Kompetenzen und fachkundigen Mitarbeiter. Die DAH ist nicht Interessenvertreter einer Gesundheits-Bürokratie, sondern ihrer Mitgliedsorganisationen sowie der Menschen mit HIV und Aids und ihrer Partner.
Es ist höchste Zeit, dass die DAH jetzt wieder den Mut zu eigener Haltung zurück
gewinnt!

Wissenslücken schließen
Diejenigen Punkte, zu denen Dissens zwischen den Beteiligten besteht, müssen ebenfalls klar und öffentlich benannt werden. Es reicht nicht, mantrahaft das Fehlen von Daten und Evidenz zu wiederholen. Wo Datenlücken bestehen (wie scheinbar bei der Beurteilung des Übertragungsrisikos bei Analverkehr oder der Auswirkung verschiedener STDs) fordern wir Datenlücken zu schließen, entsprechende Studien sind zu konzipieren und durchzuführen. Hier ist auch das Kompetenznetz HIV gefordert.

Gleichheit im Maßstab
Risiken dürfen nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Der Grad an Evidenz, der für die Aussagen zur Kondomverwendung reichte, muss auch für Aussagen zur Infektiosität bei erfolgreicher Therapie (ohne STDs) genügen. Der Beweis einer Abwesenheit von Risiko ist nicht möglich!

Kaum jemand bezweifelt, dass eine erfolgreiche Therapie mit Viruslast unter der Nachweisgrenze die Infektiosität mindestens so stark senkt wie die Benutzung von Kondomen. „Wirksame Therapie ohne STDs“ ist mindestens genauso effektiv wie Kondome. Dies muss auch laut gesagt werden! Diejenigen Punkte des Statements, zu denen weitgehender Konsens auch zwischen Forschern und Prävention besteht (z.B. Oral-, Vaginalverkehr) sind entsprechend offen zu kommunizieren statt sie weiterhin zu verschweigen.

Wissen darf nicht instrumentalisiert werden!
Erfolgreiche Therapie ohne STDs kann auch safer Sex sein!

Autorinnen: Ulli Würdemann, Michéle Meyer, Michael Jähme, Matthias Hinz.
Erstunterzeichnende Personen und Organisationen:
Engelbert Zankl, Achim Teipelke, Wolfgang Vorhagen,
Peter Smit (Amsterdam), Claudius A. Meyer, Frank Wieting,
Bernd Aretz, Hermann Jansen, Birgit Krenz,
Olaf Lonczewski, Gaby Wirz, Guido Kissenbeck,
Werner Heidmeier, Konstantin Leinhos, Rolf Ringeler,
Sven Karl Mai, Michael Bohl, Wolfgang Fannasch,
Norbert Dräger, Felix Gallé, Dr. Axel Hentschel
Prof. Dr. Martin Dannecker, Rainer Wille, Wolfgang Richter,
Stefan Schwerin, Bernard George, Carsten Schatz,
Claudia Fischer-Czech, ... u.a.
(Erstunterzeichnung war nur möglich am Rande der Fachtagung „Ethische Perspektiven“ und des 126. Positiventreffens.)
- „positiv e.V.“, Projekt bundesweite Positiventreffen, Mitglied der DAH;
- „LHIVE“ - Organisation der Menschen mit HIV/Aids in der Schweiz;
- das „126.Bundesweite Positiventreffen“ in der Akademie Waldschlösschen mit
60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Information von „Positiv e.V.“:

Neben vielen Anderen haben sich am 25.6.08 auch „Positiv e.V.“ und das 126. bundesweite Positiventreffen in der Akademie Waldschlösschen der folgenden Erklärung vom 19.6.2008 angeschlossen.
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