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 Kritik am Programm

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engelbert
Gast










BeitragVerfasst am: 18.05.2006, 20:28    POBE2006 Antworten mit ZitatNach oben

Liebe Vorbereitungsgruppe der positiven Begegnungen 2006,

ich möchte Euch nicht die Kommentare meiner positiven Gruppen vorenthalten, die die Betroffenen abgegeben haben, als ich ihnen das vorläufige Programm und die Anmeldebögen überreicht habe. Vorherrschend war die Frage, ob denn die Datensicherheit wirklich gewährleistet ist, da man doch sehr sehr viele Daten angeben muss. (Es hatten ja einige das Programm schon zugeschickt bekommen und waren verwundert , dass die Daten noch gespeichert sind, von der vorherigen Teilnahme.)
Besonders kritische Anmerkungen bekamen die neu angeführten Fragen zur Teilnahme: „Muss ich mich jetzt haupt- oder ehrenamtlich engagieren um dort teilnehmen zu dürfen?“
„Warum werden meine Interessensschwerpunkte nach Erstellen des Programms abgefragt? „Wer wählt mich als Teilnehmer aus?“ usw.

Wir haben darüber länger diskutiert. Ich versuche hier möglichst vollständig das Stimmungsbild wiederzugeben.
Sowohl das Programm als auch das Anmeldeverfahren wurde mehrheitlich abgelehnt. Insbesondere wurde HIV als Schwerpunkt bei der Programmgestaltung doch sehr vermisst. Ein Kommentar war, es könnte auch um irgendeine Erkrankung gehen.
Gebärdensprachkurs, Generationenbegegnung, Vorsorge, Aktionsplanung, ... das Geld kann man sich sparen!
Die geschützten Räume die es auf früheren BPVen gab, wurden schwerst vermisst. „Jetzt müssen wir uns auch hier wieder vor Negativen rechtfertigen.“
Auch wenn mal wirklich „interessante“ Workshops angeboten werden, sind zwei thematisch ähnliche, zeitgleich für die selbe Zielgruppe, nämlich F4 „HIV-Positive als Zielgruppe der Primärprävention“ und F5 „Positiv und Negativ - Partnerschaft und Lebensplanung“.
Bitte ändert doch hier den Zeitplan.

Die fehlenden medizinischen Informationsveranstaltungen (gibt es die Nebenwirkungen nicht mehr?), wurden auch vermisst. Euer Hinweis, dass reine Informationsveranstaltungen nicht mehr angeboten werden, weil die bei den örtlichen Aids-Hilfen und Beratungsstellen, sowie den bundesweiten oder landesweiten Positiventreffen angeboten werden, wurde für nicht glücklich gehalten. Bei mindestens 3 jährlich stattfindenden Konferenzen zu HIV/Aids, sollte es doch genug Neues zu berichten geben. PoBe sind ja direkt nach der Weltaidskonferenz.
Es besteht ein großes Interesse an medizinischen Informationen. Meiner Einschätzung nach, ist dies meist von der Infektionsdauer der Betroffenen abhängig. Außerdem wurde kritisiert, dass viele Veranstaltungen noch nicht mit Referenten besetzt sind bzw. aus welchen Zusammenhängen kommen diese, so dass man sich nicht wirklich entscheiden kann, ob man die Veranstaltung belegen möchte.

Das die Fahrtkosten von der DAH nicht erstattet werden war ja in vorangegangenen BPVen bereits so. Dass man jetzt aber auch keine Anträge mehr an die DAS stellen kann, wurde von einigen als Grund genannt, jetzt nicht mehr hinfahren zu können.

Die Einschätzung ist, dass positive Begegnungen nicht mehr von „Durchschnittspositiven“ besucht werden sollen, sondern nur noch von „Berufspositiven“ (Multiplikatoren?) oder von „Randgruppenpositiven“ (arabisch-englisch-französisch-positive Gefangene...).
Dies steht völlig im Gegensatz zum Ausschreibungtext:
Der Untertitel „Konferenz zum Leben mit HIV/Aids“ bezieht sich auf die Veranstaltungsstruktur und bringt die Gleichwertigkeit unserer Veranstaltung mit anderen Konferenzen im HIV-Bereich zum Ausdruck. Im Gegensatz zu diesen Konferenzen, bei denen in der Regel über Menschen mit HIV/Aids (und ihres soziales Umfeldes) gesprochen wird, sind wir bei unserer Konferenz die eigentlichen Expertinnen und Experten in Sachen „Leben mit HIV/Aids“.

Leider konnte ich viele der vorgebrachten Argumente nicht entkräften, da mir persönlich auch manches unverständlich ist.

Den Namen „Positive Begegnungen“ finde ich sehr gut, sowie auch die Themenauswahl der Mittagsplena. Allerdings verstehe ich nicht das Abrücken vom „alten“ Konzept wie in Kassel.
Diese wurde von vielen als bisher beste BPV gesehen!

Ich möchte Euch trotz aller Kritik für Eure Arbeit danken

Lieber Gruß aus München

Engelbert Zankl
Münchner Aidshilfe e.V.
HIV-Therapie-Hotline

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Gast











BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 13:50    >>> eine Teilantwort auf Fragen... Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Engelbert,
liebe Gruppe,

leider bin ich mit einem Bein schon im Zug nach Leipzig, da wir an diesem Wochenende das 4. Treffen der Vorbereitungsgruppe haben. Deswegen nur ein paar Antworten auf die ersten Fragen. Der Rest erfolgt nächste Woche. Seid euch versichert, dass wir eure Rückmledung ernst nehmen und besprechen werden.

Ich denke, einige Bedenken lassen sich schnell aus dem Weg räumen - wir haben es leider nicht geschafft alles zu kommunizieren was vielleicht nötig und wünschenswert gewesen wäre.

Ja, die Datensicherheit ist gewährleistet. Wer, wenn nicht wir, wissen um die Wichtigkeit des Datenschutzes. Aus diesem Grund "tun wir uns jedes mal den Streß an", das komplette Anmeldeverfahren bis zur Abrechnung aller (500!) Teilnehmer/innen in der Bundesgeschäftstelle abzuwickeln und eben nicht - wie bei den meisten Konferenzen an eine Kongressorganisation "nach draußen" zu geben.

Ja, wir haben die Teilnehmer/innen wieder angeschrieben, die sich das von uns gewünscht haben - und eben nicht alle. Diese "Serviceleistung", Wunsch vieler Teilnehmer/innen, haben wir bei der Versendung der Dokumentation mit abgefragt. Diejenigen die uns das zurückgemeldet haben, uns dabei auch die Erlaubnis zur weiteren Speicherung ihrer Daten für diesen Zweck gegeben haben, haben wir wunschgemäß angeschrieben (ca. 200 Personen). Alle anderen nicht! Da das ja nun aber fast zwei Jahre her ist, kann sich der eine oder die andere an die Einwilligung vielleicht nicht mehr erinnern. Seid euch versichert es wurde niemand angeschrieben, der dem nicht zugestimmt hat!

Hinsichtlich der der neu angeführten Fragen - diese werden übrigens in keiner Form gespeichert - sie dienen uns dazu auf dem Weg vom vorläufigen zum endgültigen Programm noch Verbesserungen umzusetzen. Es ist für uns etwas befremdlich, ja es verletzt uns auch, dass diese Fragen sofort als "Zugangskontrolle" empfunden werden. Wir wollen mehr wissen, um das Programm besser auf die Teilnehmenden abzustimmen. Im Übrigen mussten wir immer einer kleinen Anzahl von Teilnehmer/innen absagen, da wir eben "nur" 500 Plätze haben. Diese Anzahl hat sich aber über die Jahre eingespielt, so dass wir nur wenigen Menschen absagen müssen.

Noch schnell etwas zu den Fahrtkosten und der Stiftung. An diesem Verfahren hat sich seit Jahren nichts geändert. Um den Verwaltungs- und Kostenaufwand für alle Seiten gering zu halten, bekamen wir von der Stiftung immer einen Gesamtbetrag zur Verfügung gestellt. Dieser geht in der Gesamtfinanzierung auf (beispielsweise geringer Teilnahmebetrag, ihr kennt die Beträge von anderen Konferenzen - Die realen Kosten für einen Teilnehmenden bei den "positiven Begegnungen" belaufen sich übrigens auf ca. 500€). Bisher hatten wir nicht besonders darauf hingewiesen, so dass viele Anträge bei der Stiftung gestellt haben, die dann mit der entsprechenden Begründung i.d.R. abgelehnt wurden. Um allen diese Mühe zu ersparen haben wir in diesem Jahr besonders darauf hingewiesen - am Verfahren hat sich aber nichts geändert. In so fern verstehen wir die Argumentation nicht.

Darüber hinaus haben wir einen "Topf" für Teilnehmer in schwierigen finanziellen Situationen, diese werden dann dadurch bezuschusst um an der Konferenz teilzunehmen. Das geht aber eben nicht bei allen... Darüber hinaus wäre es eine Überlegung ob die regionalen Mitgliedsorganisationen Menschen mit HIV diesbezüglich unterstützen können. Sei es direkt oder durch den Charter eines Busses oder oder oder...

So, ich muss jetzt zum Bahnhof, nächste Woche mehr. Gerne werde ich auch noch mal "durchklingeln", denn viele Punkte lassen sich telefonisch besser klären als hier.

Wir melden uns - wir werden uns mit euren Bedenken und eurer Kritik auseinandersetzen,

bis dahin liebe Grüße (und vielleicht ein bischen weniger Mißtrauen in das was wir tun - es geht um positive BEGEGNUNGEN)

Achim.

Achim Weber
Referent für Pflege und Soziale Sicherung, Deutschen AIDS-Hilfe e.V., Leitung "Positive Begegnungen"

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Anmeldungsdatum: 20.03.2006
Beiträge: 32


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BeitragVerfasst am: 22.05.2006, 17:32    Antwort auf die Kritik aus München Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Engelbert und die Gruppe!

Hier nun die am Freitag versprochene Reaktion auf die anderen angesprochenen Punkte:

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Sowohl das Programm als auch das Anmeldeverfahren wurde mehrheitlich abgelehnt. Insbesondere wurde HIV als Schwerpunkt bei der Programmgestaltung doch sehr vermisst. Ein Kommentar war, es könnte auch um irgendeine Erkrankung gehen.


Es fällt uns ein wenig schwer, diese Kritik anzunehmen. In der Datei mit den Anmeldeunterlagen taucht der Begriff "HIV" 114-mal auf.

Aber trotzdem: Ja, die Konferenz hat sich weiterentwickelt - wie das Krankheitsbild HIV auch. Daher verändern sich auch Themen und vor allem: es verändern sich Blickwinkel, unter denen Themen behandelt werden.

Bei allem Verständnis für das geäußerte Gefühl des Verlusts, finden wir es schade, dass diese veränderten Themen und die veränderten Blickwinkel nicht auch als Chance betrachtet werden, sich selbst weiterzuentwickeln.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
„Jetzt müssen wir uns auch hier wieder vor Negativen rechtfertigen.“


Hier möchten wir unser Unverständnis ausdrücken: Auf den letzten BPVen haben sich Menschen mit HIV gegenüber anderen Menschen mit HIV (!) rechtfertigen müssen, die sie zum Teil wüst beschimpft haben, wie man sich heutzutage überhaupt noch anstecken kann (die Alt-Infizierten gegen die Frisch-Infizierten) bzw. wie verantwortungslos man denn nur sein kann, das Risiken einzugehen, jemanden anderes anzustecken (die Frisch-Infizierten gegen die Alt-Infizierten).

Dass es zu ähnlichen Situationen zwischen HIV-Positiven und HIV-Negativen auf den letzten BPVen gekommen wäre, ist uns nicht bekannt – obwohl seit vielen Jahren auf den Bundespositivenversammlungen immer auch etliche HIV-Negative teilgenommen haben (etwa als Teil der sozialen bzw. biologischen Familie).

Es fällt uns schwer zu glauben, ihr würdet allen Ernstes annehmen, dass die Deutsche AIDS-Hilfe als Veranstalterin, die Vorbereitungsgruppe und auch die Workshopleiterinnen und Workshopleiter würden solche Situationen zulassen oder gar befördern. Wie in der Vergangenheit auch, werden alle angemessen auf derartige Situationen reagieren, sollten sie auftauchen.

In diesem Sinne glauben wir, haben wir (und auch die potentiellen Teilnehmer/innen) mehr Vertrauen verdient.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:

Auch wenn mal wirklich „interessante“ Workshops angeboten werden, sind zwei thematisch ähnliche, zeitgleich für die selbe Zielgruppe, nämlich F4 „HIV-Positive als Zielgruppe der Primärprävention“ und F5 „Positiv und Negativ - Partnerschaft und Lebensplanung“.
Bitte ändert doch hier den Zeitplan.


Es tut uns Leid, aber das werden wir nicht.

Aus drei Gründen macht das aus Sicht der Vorbereitungsgruppe keinen Sinn:
1. Egal wie wir es drehen und wenden, es wird immer Teilnehmer/innen geben, die sich zwischen Workshops entscheiden müssen. Hier sind die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben derartig unterschiedlich, dass es nie gelingen kann, allen Bedürfnissen und Vorlieben Rechnung zu tragen.

2. Alle müssen sich entscheiden - solange zumindest, wie die Vorbereitungsgruppe parallele Veranstaltungen anbietet. Das Sich-Entscheiden-Müssen – so schwer wie es uns als Vorbereitungsgruppe, die ja auch teilnimmt, im Einzelfall auch selbst fällt – lässt sich nicht vermeiden. Oder es gibt pro Zeitleiste immer nur eine einzige Veranstaltung.

3. Der dritte Grund hat etwas mit dem prozesshaften Charakter der Konferenz zu tun: Die meisten Workshops sind sowohl aus inhaltlichen Gründen (etwa weil sie aufeinander aufbauen oder auf ein Plenum zusteuern) aber auch aus gruppendynamischen Gesichtspunkten (etwa: nicht gleich am ersten Tag am Vormittag mit emotional schwierigen Themen einsteigen) so gelegt worden, wie sie gelegt sind.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Die fehlenden medizinischen Informationsveranstaltungen (gibt es die Nebenwirkungen nicht mehr?), wurden auch vermisst.


Es ist ja nicht so, als ob wir keine medizinischen Informationsveranstaltungen mehr im Programm haben. Es sind weniger - aber es sind immer noch fünf. Wenn ihr die Programme von Bielefeld und Kassel neben das von Leipzig legt, werdet ihr feststellen, dass wir in Bielefeld und Kassel insgesamt mehr Veranstaltungen angeboten haben (eine komplette Workshopleiste pro Vormittag). So haben die medizinischen Informationsveranstaltungen in Leipzig keineswegs einen geringen prozentualen Anteil an der Veranstaltung, als in Bielefeld oder Kassel. Wir haben auch in diesen Bereich eine Veränderung der Themen vorgenommen, ja.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Euer Hinweis, dass reine Informationsveranstaltungen nicht mehr angeboten werden, weil die bei den örtlichen Aids-Hilfen und Beratungsstellen, sowie den bundesweiten oder landesweiten Positiventreffen angeboten werden, wurde für nicht glücklich gehalten.


Das ändert nichts an der Position der Vorbereitungsgruppe. Nach langen Diskussionen haben wir uns entschieden, prioritär Themen anzubieten, die vor Ort nicht angeboten werden (können) bzw. Themen unter Blickwinkeln anzubieten, unter denen sie bislang nicht oder nicht hinreichend betrachtet worden sind.

Um es noch einmal zu wiederholen (wir haben darauf kontinuierlich und von Anfang an deutlich hingewiesen): Es gibt die Open Spaces. Bitte reicht Themen ein die euch fehlen oder von denen ihr der Überzeugung seid, sie müssen/sollen behandelt werden.

Wir verweisen nochmals auf die entsprechenden Hinweise zu den Open Spaces in den Anmeldeunterlagen und in den Hinweisen zur veränderten Konzeption. Nutzt dieses Instrument - es ist genau dazu gedacht, Themen einzubauen, die aus Sicht potentieller Teilnehmer/innen fehlen!

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Bei mindestens 3 jährlich stattfindenden Konferenzen zu HIV/Aids, sollte es doch genug Neues zu berichten geben. PoBe sind ja direkt nach der Weltaidskonferenz.


Noch mal ganz deutlich: F-1: Neues aus der Forschung. Über drei Stunden! Das macht von der Zeit her zwei Workshops in Bielefeld oder Kassel. Insofern weisen wir hier eure Kritik zurück.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Außerdem wurde kritisiert, dass viele Veranstaltungen noch nicht mit Referenten besetzt sind bzw. aus welchen Zusammenhängen kommen diese, so dass man sich nicht wirklich entscheiden kann, ob man die Veranstaltung belegen möchte.


Ihr könnt sicher sein, wir hätten auch gerne weniger "N.N." drin gehabt. In diesem Jahr hat es sich als ausgesprochen schwierig herausgestellt, Zusagen zu bekommen. Urlaubszeit, die AIDS-Konferenz in Toronto unmittelbar vor den Positiven Begegnungen und HIV im Dialog unmittelbar danach.

Jetzt könntet ihr natürlich sagen: "Warum dann dieser Termin, das war doch absehbar ..."

Der Termin von HIV im Dialog stand bei der Terminplanung noch nicht fest. Gehen wir mit der Veranstaltung außerhalb der Ferienzeiten, gibt es mit Teilnehmer/innen Krach, die dann nicht teilnehmen können. Außerdem spielen bei der Terminplanung auch die Termine eine Rolle, die uns von Hotels angeboten werden. Wir sind hier leider nicht so frei, wie wir gerne wären. Wie auch immer.

Wir haben uns entschieden - wie in der Vergangenheit auch - angefragte Personen, von denen noch keine Rückmeldungen vorlagen, namentlich nicht im Programm zu nennen. Alles andere ist in unseren Augen nicht seriös.

Das Programm wird laufend auf den neuesten Stand gebracht. Es ist also durchaus vor Ablauf der Anmeldefrist möglich, sich einen erheblich klareren Überblick zu verschaffen, als beispielsweise Anfang Mai. Die jeweiligen aktuellen Fassungen sind im Netz an mindestens drei Stellen zu finden.

Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Die Abfrage in den Anmeldeunterlagen, in welche Workshops der/die Anmeldende zu gehen gedenkt, dient uns zur besseren Raumplanung und ist keine verbindliche Festlegung des jeweiligen Teilnehmers. Es gibt nur einen Workshop, für den eine feste Anmeldung erforderlich ist (Aktionsplanung).

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Die Einschätzung ist, dass positive Begegnungen nicht mehr von „Durchschnittspositiven“ besucht werden sollen, ...


Wir denken, dass es den „Durchschnittspositiven“ nicht gibt.

Selbst wenn: Was als Durchschnitt wahrgenommen wird, hängt dann doch sehr vom eigenen Blickwinkel ab und verändert sich darüber hinaus über die Zeit (etwas mit der Entwicklung des Krankheitsbildes und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen allgemein). Daher scheint uns das auch ein wenig mit Generationen und deren unterschiedlichen Biographien mit HIV zusammenzuhängen. Ein Thema, was wir uns im Übrigen ja in der Konferenz beschäftigen werden.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
sondern nur noch von „Berufspositiven“ (Multiplikatoren?)


Lieber „Berufspositive“ als „Berufsjammerer“ ... aber auch hier können wir mit der Wortwahl nichts anfangen und können insofern die Kritik weder verstehen noch nachvollziehen.

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
oder von „Randgruppenpositiven“ (arabisch-englisch-französisch-positive Gefangene...).

Dies steht völlig im Gegensatz zum Ausschreibungtext:
Der Untertitel „Konferenz zum Leben mit HIV/Aids“ bezieht sich auf die Veranstaltungsstruktur und bringt die Gleichwertigkeit unserer Veranstaltung mit anderen Konferenzen im HIV-Bereich zum Ausdruck. Im Gegensatz zu diesen Konferenzen, bei denen in der Regel über Menschen mit HIV/Aids (und ihres soziales Umfeldes) gesprochen wird, sind wir bei unserer Konferenz die eigentlichen Expertinnen und Experten in Sachen „Leben mit HIV/Aids“.


Jetzt ist Schluss mit lustig. Hier habt ihr eindeutig den Bogen überspannt. Wir sind entsetzt über diese "Argumentation" und weisen sie aufs Schärfste zurück! Wir werden ein Spiel des Ausspielens partikularer Interessen vor allem gegen (noch) Schwächere nicht mitspielen. Wenn die Interessen, Bedürfnisse und Bedarfe etwa von schwulen HIV-Positiven gegen die Interessen, Bedürfnisse und Bedarfe etwa von Menschen mit HIV und einem Migrationshintergrund ausgespielt werden, liegt der Begriff Rassismus nahe.

Wenn sich direkt (und indirekt) von HIV Betroffene – und zwar auch völlig unabhängig von dieser Konferenz um die es hier geht – gegeneinander ausspielen, dann ist das nicht anderes, als genau der Entsolidarisierung Vorschub zu leisten, gegen die wir uns auf der Ebene der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung immer wehren!

« engelbert » hat folgendes geschrieben:
Allerdings verstehe ich nicht das Abrücken vom „alten“ Konzept wie in Kassel. Diese wurde von vielen als bisher beste BPV gesehen!


Wir sind der Überzeugung, wenn wir die Veranstaltung weiterhin BVP genannt hätten, wären die Veränderungen niemandem aufgefallen. Die konzeptionellen Veränderungen etwa von Nürnberg zu Kassel waren erheblich krasser, als die von Kassel zu Leipzig. So hat es in Kassel schon fast keine geschützten Räume mehr gegeben.

Dass die BPV in Kassel von den selben Personen, die uns vorwerfen, in Leipzig keine geschützten Räume mehr anzubieten, als die bisher beste bewertet wird, ist für uns Grund genug, unsere Linie nicht zu verlassen - neben den langjährigen Strategien der Veränderung dieser Veranstaltung, die wir aus Zeit - und Platzgründen hier nicht darlegen können.

Herzliche Grüße von der Vorbereitungsgruppe

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pädro
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BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 20:43    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

gut gekontert vorbereitungsgruppe ! aber offensichtlich sind die entwicklungen an manchem vorbeigegangen - ihr wollt 'kuschelveranstaltungen ' - dann geht ins schlösschen !
seid doch froh, dass die dah resp. vorbereitungsgruppe neue wege beschreitet - wird auch zeit nach über 20 jahren 'AIDS' :-)))
und du müsstest es eigentlich besser wissen: eine welt aids konferenz hat niemals mit den neuesten med / wiss ergebnis aufgewartet; diese werden ganz woanders präsentiert...

herzliche grüsse aus dem hohen orden !

petra


ps was mich noch interessiert - für wen sprichst du da eigentlich ? wer sind 'deine' gruppen ?

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engelbert
Gast










BeitragVerfasst am: 30.05.2006, 20:44    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

PEUlieber Achim, liebe Vorbereitungsgruppe,

leider war ich letzte Woche nicht da, deshalb jetzt erst eine Antwort.
Ich werde deine Antwort heute beim Gruppentreffen (es handelt sich dabei um den "positiven Stammtisch" und die "Yogagruppe") mal diskutieren lassen und werde euch die Meinungen dann wieder mitteilen.

lieber Gruß
Engelbert

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Sylvia Urban
Gast










BeitragVerfasst am: 01.06.2006, 14:35    Stellungnahme des Bundesvorstands der Deutschen AIDS-Hilfe Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Engelbert,
liebe Mitglieder der Positivengruppen,
liebe Interessierte an den PoBe 2006,

der Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe ist der festen Überzeugung, dass die Vorbereitungsgruppe der PoBe in Leipzig in unseren Augen den Grundsätzen der DAH, den Interessen der Menschen mit HIV und Aids sowie dem sich veränderten Krankheitsbild und dem Blickwinkel, unter dem man sich den damit im Zusammenhang stehenden Themen nähert, gerecht wird. Dass sie damit auch den Interessen jeder Teilnehmerin und jedes Teilnehmers gerecht wird, ist wahrscheinlich gar nicht möglich.

Mit den PoBe möchte die DAH in der Tradition der BPVen offene Räume des Austauschs schaffen, in denen sich niemand vor niemandem zu rechtfertigen hat. Weder der Vorstand der DAH, noch die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe, noch einzelne Akteure vor Ort werden Situationen provozieren, in denen HIV-Positive bloßgestellt werden, weder von HIV-Negativen noch von anderen HIV-Positiven. Sollte es zu kontroversen Diskussionen kommen, werden wir alle angemessen damit umgehen. Die einzelne oder der einzelne HIV-Positive werden aber niemals ungeschützt der Kritik anderer ausgesetzt sein.

Darüber hinaus hat Achim Weber sehr detailliert erläutert, wie und warum es zu einzelnen Programmänderungen gekommen ist und zum Teil neue Schwerpunkte gesetzt wurden. Wir laden alle Interessierten ein, sich darauf einzulassen und ihre Kritik nach den PoBe in Leipzig zu artikulieren.

Sehr deutlich verwahrt sich der Vorstand gegen jedwedes unsolidarische Handeln unter HIV-Positiven. Wenn wir von der Gesellschaft Solidarität mit den Menschen mit HIV und Aids erwarten, hat dies doch erst recht in unseren eigenen Reihen stattzufinden. Wir werden entschieden gegen jede Entsolidarisierung innerhalb der Community vorgehen und fordern alle auf, sich dieser Haltung unmissverständlich anzuschließen.

Wir freuen uns auf zahlreiche positive Begegnungen mit Euch in Leipzig!

Für den Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe
Sylvia Urban

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Henning
Gast










BeitragVerfasst am: 09.06.2006, 09:15    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hi Engelbert,

mit Interesse verfolge ich diese Auseinandersetzung und bin doch sehr an deine noch ausstehenden Antwort interessiert. Kommt da noch was?

Gruß aus dem Pott von
Henning

Online    
petra
Gast










BeitragVerfasst am: 16.06.2006, 13:25    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

hi engelbert,

auch ich - genau wie henning - wäre an deiner / eurer antwort interessiert - oder hast du diese in*s feedback verschoben ?? wäre schade - im sinne dr transparenz..

lg petra

Online    
engelbert
Gast










BeitragVerfasst am: 28.06.2006, 19:08    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Liebe Vorbereitungsgruppe, lieber Achim
lieber DAH Vorstand,
liebe Mitleser,

sorry erstmal für die sehr späte Rückmeldung, aber leider war es mir gesundheitlich nicht möglich eher zu antworten bzw. es war technisch nicht möglich auf diese Seite zu gelangen.
Ich habe versucht, jemanden aus den positiven Gruppen dazu zu bewegen, hier einen Beitrag zu schreiben, was mir allerdings nicht gelungen ist. Finde dies auch sehr schade.

Es hat mich der Ton der Antwort der Vorbereitungsgruppe bzw. des Verfassers doch sehr überrascht. Ich vermute mal Achim hat die Antwort geschrieben. Sind eigentlich alle Mitglieder der Vorbereitungsgruppe dieser Meinung?
Auf unsere Kritik so zu antworten halten wir für nicht angebracht.
Leider hatte unsere Kritik einige unglückliche Formulierungen enthalten, so dass ihr uns den Versuch der Entsolidariserung von Menschen mit HIV/Aids vorwerft.
Dies liegt keinesfalls in unserem Interesse!
.
Unser Empfinden ist lediglich, dass den sogenannten Hauptbetroffenengruppen Schwule, User, Ex-User, Frauen nicht mehr genug Raum eingeräumt wird, die waren mit dem Ausdruck „Durchschnittspositiven“ gemeint.
Völlig unverständlich ist uns hier, dass eine Übersetzung in Arabische angeboten wird, obwohl eine Übersetzung ins Türkisch oder Amharische wesentlich sinnvoller wäre, da damit mehr Positive erreicht werden würden.
Wir fänden es auch sehr gut, wenn das Programm der PoBe in anderen Sprachen verfügbar wäre.
Soviel zum Rassismusvorwurf!

Schade, dass wir als „Berufsjammerer“ bezeichnet werden und von unserer Kritik nicht ein einziger Punkt angenommen wurde.

Ich glaube, wir sollten als Aidshilfen und auch der Dachverband DAH durchaus auf die Bedürfnisse der Menschen mit HIV/Aids eingehen und nicht in staatanwaltlicher Manier auseinandernehmen.

Genau deshalb möchte ich auch nicht noch mal auf alle einzelnen Punkte der Kritik eingehen. Nur einen möchte ich noch mal ansprechen, das Wegfallen der Schutzräume für Diskussionen über ungeschützten Sex beispielsweise.
Meiner Erfahrung brauchen diese sensiblen und emotionsgeladen Themen einen geschützten Rahmen, da sie sonst gar nicht ausgesprochen werden und somit auch nicht wirklich diskutiert werden können.

Und wenn man über den Wortlaut unseres Schreibens mal hinwegsieht, dann ist denke ich zumindest eines klar geworden: Hier haben positive Männer und Frauen versucht, sich und ihre persönlichen Bedürfnisse einzubringen. Schade ist, dass jeder einzelne Satz zerpflückt und an keiner Stelle das Gesamte- nämlich der Wunsch, ein Teil der positiven Vielfalt zu sein und damit die PoBe mitzugestalten- gewürdigt wurde.

Gerne werde ich mit euch in Leipzig weiterdiskutieren und hoffentlich doch auch mit ein paar Leuten aus München, die nicht lieber zum „Kuscheltreffen“ ins Schlösschen fahren.

Ich hoffe, dass die PoBe eine fruchtbare und erfolgreiche Veranstaltung für uns alle wird

Liebe Grüße aus München
Engelbert

Online    
Gast











BeitragVerfasst am: 29.06.2006, 12:32    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Engelbert,
liebe Gruppe,

leider habe ich im Moment wenig Zeit... Aber da du mich persönlich ansprichst möchte ich eines kurz klarstellen. Nein, ich habe die Antwort der Vorbereitungsgruppe nicht verfasst. Ich hatte geschrieben, dass wir die Kritik sehr ernst nehmen und sie in der Vorbereitungsgruppe besprechen. Genau das haben wir getan - die Antwort ist die Anwort der 16 Mitglieder der Vorbereitungsgruppe.

Wie dem auch sei, ich würde mich sehr freuen, wenn ihr nach Leipzig kommen würdet und die Positiven Begegnungen eine für uns alle spannende und verbindende Veranstaltung wird.

In diesem Sinne mit den besten Wünschen aus Berlin

Achim Weber
Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Referent für Pflege und Soziale Sicherung
Leitung Positive Begegnungen

Online    
antwort der dah zu ulla s
Gast










BeitragVerfasst am: 31.07.2006, 18:00    schirmherrin ulla schidt Antworten mit ZitatNach oben

lieber vorstand,

am wochenende während der dr sitzung wurde laut aussage eines vs mitgliedes erwähnt, dass zu der diskussion um ulla schmidt als schirmherring der konferenz eine statement des vs auf die website gesetzt wurde: diese kann ich leider nirgends entdecken.

wie ist die haltung des dah - vs zu dieser diskussion ?

mfg aus dem hohen norden

petra

Online    
Gast











BeitragVerfasst am: 01.08.2006, 13:58    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Liebe Petra,

falsche Stelle.

Guckst du da: http://www.hivcommunity.net/orion/viewtopic.php?p=188#188

Shocked

Gruß

Bernd

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Gast











BeitragVerfasst am: 05.09.2006, 10:58    Konferenznachlese Antworten mit ZitatNach oben

Lieber Engelbert,

die Positiven Begegnungen sind vorbei. Gerade deshalb oder trotzdem will ich den Konflikt zwischen Dir und der Vorbereitungsgruppe nicht auf sich beruhen lassen und ein persönliches Statement schreiben, was ausschließlich meine eigene Meinung wiedergibt und mit niemandem vorher abgesprochen wurde.

Bis zum Abendplenum am Samstag war ich noch der Überzeugung, es ginge Dir um die Sache. Seit dem sehe ich das anders.

Die Form, die Silke und ich gewählt haben, ist einzig und allein dem Respekt vor Deinem Engagement geschulde.

Zu Deiner grundsätzlichen Kritik am Programm bzw. am Konzept:

Um es kurz zu machen:

Du bist stinkesauer, dass es offensichtlich Leute gibt (die Vorbereitungsgruppe), die sich zwar Deine Meinung anhören (und Deine Argumente, wenn Du denn welche gebracht hättest) aber dennoch nicht das tun, was Du willst und die ungeheure Arroganz besitzen zu glauben und zu sagen, sie hätten die besseren Argumente.

Du bist stinkesauer, weil wir die Frechheit besessen haben, von Dir benannte Bedürfnisse nicht zu befriedigen, das auch klar und deutlich formuliert haben und davon überzeugt sind, dass es richtig ist, diese Bedürfnisse nicht im Rahmen der Positiven Begegnungen nicht von der Vorbereitungsgruppe zu befriedigen - dazu auch stehen und überhaupt nicht daran denken, uns dafür zu entschuldigen.

Ja, ich stehe dazu!

Ich will nochmals darauf hinweisen, dass wir – statt Bedürfnisse zu befriedigen – Raum geschaffen haben, sich die Bedürfnisse selbst zu befriedigen (Selbst-Hilfe!!!).

Für wen selbst dass schon zu anspruchsvoll ist (und ich teile Deine Einschätzung, dass es Menschen mit HIV/AIDS gibt, für die das bereits zu hochschwellig ist ausdrücklich), der ist in der Tat auf den Positiven Begegnungen fehl am Platz.

Klar, nun wirst Du den nächsten Tobsuchtsanfall bekommen, wie man nur die Dreistigkeit / Arroganz / soziale Kälte … besitzen kann, eine solche Position zu vertreten. Auch wenn ich damit ein Tabu breche, ich wiederhole hier, was ich vor zwei Jahren in Kassel zu Rainer Jarchow gesagt habe, als es genau um diese Gruppe von Menschen mit HIV/AIDS ging: „Wenn man sich immer am untersten Niveau orientiert, kann es keine Entwicklung geben!“ Ich denke, dass Du mir zustimmen wirst, dass Entwicklung dringen nötig und längst überfällig ist.

Ich erkenne in Deiner Entrüstung Deine Sorge, dass die Schwächsten hinten rüber kippen. Ich finde diese Motivation nicht nur ausgesprochen ehrenwert und unverzichtbar, ich teile sie. Sie ist aber im Zusammenhang mit den Positiven Begegnungen aus meiner Sicht völlig unsinnig, weil:

Positive Begegnungen (früher BPV) finden alle zwei Jahre statt. Bundesweite Positiventreffen alle zwei Monate. (Fünf dieser sechs jährlich stattfindenden Bundesweiten Positiventreffen werden von der DAH finanziert.)

Ja, ich habe es mir also erlaubt (die Vorbereitungsgruppe hat sich erlaubt), eine (!) von elf Veranstaltung, die in einem Zeitraum von 24 Monaten von der DAH finanziert werden, dermaßen hochschwellig zu gestalten, dass Du/Deine Gruppe/Deine Klienten … (ich weiß wirklich nicht, wie ich sie nennen soll) sich nicht angesprochen fühlen. JA JA JA und nochmals JA. Das ist für mich in keinster Weise verwerflich, inakzeptabel oder sonstewas. (Mache ich diese Rechnung genauer und zähle die Veranstaltungstage anstatt die Veranstaltungen, wird noch deutlicher, dass hier von Teilhabe verweigern / Ausgrenzen … überhaupt nicht die Rede sein kann.)

Und diese Rechnung zählt ausschließlich zentrale, von der DAH finanzierte Veranstaltungen. Alle regionalen und lokalen Veranstaltungen – die ja den weitaus überwiegenden Anteil aller in der Republik angebotenen Veranstaltungen ausmachen – bleiben hier außen vor.

Zu Deinem mit Innbrunst vorgebrachten Vorwurf, das Auswahlverfahren der Open Spaces sei undemokratisch:

Vorab eine Anmerkung zu dem von Dir verwendeten Demokratiebegriff:

Es ist nichts anderes als ein ausgesprochen seichter und dazu auch noch ziemlich blöder rhetorischer Kniff. Es geht Dir überhaupt nicht um Demokratie, sondern um nichts anderes, als um das Durchsetzen Deines Dickschädels. In dem Zuge hast Du versucht, uns ins moralische Abseits zu stellen, indem Du uns des undemokratischen Vorgehens bezichtigst und wenig versteckt auch der entsprechenden Haltung.

Davon einmal abgesehen, geht es hier überhaupt nicht um politische Einstellungen oder Staatsphilosophien (insofern der Begriff Demokratie in diesem Zusammenhang schon völliger Käse ist), sondern schlicht um Entscheidungs- und Auswahlprozesse – oder im weiteren Sinne um Konfliktlösungsstrategien.

„Demokratie“ ist in dem Kontext der Auswahl von Open-Spaces also nichts anderes, als: Entscheidungen per Mehrheitsvotum herbeizuführen.

In der Konflikttheorie – von der Du ja im Rahmen Deines Studium doch das ein oder andere mitbekommen haben solltest – liegt die Wertigkeit diese Form der Lösung (also per Mehrheitsentscheid) nur ganz knapp über der Form „Einer entscheidet“ (um auf der Ebene Deines sprachlichen Bildes „Demokratie“ zu bleiben, wäre das die „Diktatur“)

Ja selbstverständlich ist das Verfahren undemokratisch. Ja, und das ist auch gut so. Die Entscheidungen sind von zwei Leuten vorbereitet und dann diskutiert und im Konsens entschieden worden.

Um einen Landtagsabgeordneten der Grünen aus Baden-Württemberg zu zitieren: „Es ist Demokratie, wenn 51 % beschließen, die restlichen 49 % zu erschießen!“

Die ganze Vorbereitungsgruppe ist komplett „demokratiefrei“. Das waren sie alle – zumindest über die Zeit, über die ich sie beobachten kann – immer. Es gibt ein ehernes Gesetz in den Vorbereitungsgruppen: Entscheidungen werden im Konsens getroffen (was übrigens die höchstwertigste aller möglichen Konfliktlösungs- oder Entscheidungsstrategien ist). Ist ein Konsens nicht möglich, wird ein Kompromiss ausgehandelt.

Wir haben lange und intensiv diskutiert, Dinge so lange gedreht und gewendet, verändert und erneut diskutiert, bis wir uns einig waren. (Was im Übrigen – um Dir noch eine Replik auf deinen entrüsteten Vorwurf, wir würden uns Arbeit vom Hals halten wollen – „Demokratie macht Arbeit“ betontest Du mehrfach – wesentlich mehr Arbeit gemacht hat, als einfach Abzustimmen.)

Um wieder auf die Open Spaces zurückzukommen:

Alleine schon aufgrund der Tatsache, dass schwule Männer nach wie vor numerisch die absolute Mehrheit auf solchen Veranstaltungen haben und aufgrund der Gewalttätigkeit mit der partikulare Interessen durchgedrückt werden (Du bist hier wirklich ein Paradebeispiel), sehe ich die Notwendigkeit, sicherzustellen, das im Falle der Entscheidungsnotwendigkeit zwischen zwei Alternativen, nicht schon aufgrund dieser Mehrheitsverhältnisse die zahlenmäßig kleiner „Fraktion“ unterliegen muss.

Allein die Tatsache, dass Du in Leipzig eine Person, die es sich erlaubt hat, im Diskussionsforum die Position der Vorbereitungsgruppe zu unterstützen, angepisst hast, zeigt schon überdeutlich, dass es Dir nicht um die Sache geht.

Mittlerweile kann ich sogar verstehen, warum Du der Überzeugung bist, die Antwort der Vorbereitungsgruppe hätte „komplett das Thema verfehlt“. Ich habe (wir haben) den fatalen Fehler gemacht, Deine Formulierungen ernst zu nehmen. Wir haben versucht, darauf eine Antwort zu geben. Dass es sich um schlichtes rhetorisches Getöse gehandelt hat, ist uns nicht in den Kopf gekommen. Insofern haben wir in der Tat den Kern Deiner Kritik nicht vom rhetorischen Beiwerk trennen können, was nachvollziehbarer Weise bei Dir den Eindruck hinterlassen haben muss, wir hätten nicht auf Deine Kritik geantwortet. Ärgerlich, denn wir haben uns viel Arbeit mit der Antwort gemacht. Hätten wir Dich von Anfang an verstanden, wäre die Antwort ein schlichtes NEIN gewesen, nicht mehr.

Insofern kann ich Dir wirklich glauben, dass die von Dir verwendete Formulierung „…oder von ‚Randgruppenpositiven’ (arabisch-englisch-französisch-positive Gefangene...).“ keinen rassistischen Hintergrund hat, sondern schlicht ein weiterer – und durchaus noch erheblich blöderer – rhetorischer Kniff war, um die Vorbereitungsgruppe dazu zu zwingen, dass zu tun, was Du willst.

Du hast geschrieben: „Die Einschätzung ist, dass positive Begegnungen nicht mehr von ‚Durchschnittspositiven’ besucht werden sollen …“. Wer ist das bitte? Nach eigenem Bekunden der AIDS-Hilfe, haben bestenfalls 15 – 20 % der Menschen mit HIV Kontakt zu dieser Struktur. Mit welcher Berechtigung wird also die Kundschaft von AIDS-Hilfe als Durchschnitt definiert? Kann es sein, dass Du hier das machst, was Du berechtigterweise manchen Ärzten vorwirfst, nämlich dass sie ihre eigene Wahrnehmung verabsolutieren und daraus die Wahrheit machen?

Es gibt aus der Republik aus verschiedenen Gründen leider wenig sozialwissenschaftliche Daten über Menschen mit HIV. In der Schweiz jedoch liegt der Anteil der Menschen mit HIV in Arbeit an der Grundgesamtheit aller in der Schweiz lebenden HIV-Positiven etwa genauso hoch, wie der Anteil der Arbeitenden an der Gesamtbevölkerung der Schweiz. AIDS-Hilfe sieht sehr wenig dieser HIV-Positiven. Wer oder was ist also Durchschnitt?

Noch eine Bemerkung zum Schluss:

Die Aktivitäten der Vorbereitungsgruppe haben eine sehr überschaubare Anzahl von Teilnehmenden betroffen. Deine Aktivitäten im Therapieaktivistennetzwerk betreffen alle Menschen mit HIV und alle zukünftigen Generationen. Da Du und das Therapieaktivistennetzwerk es nicht nötig haben, ihre Diskussionsprozesse und Entscheidungen zu kommunizieren, transparent zu machen und sich der Kritik derjenigen zu stellen, die von euren Entscheidungen betroffen sind (und das noch nicht einmal mehr wissen), bist Du sicherlich der letzte, der der Vorbereitungsgruppe mangelndes Demokratieverständnis vorwerfen kann.

Lieber Engelbert, bei allen persönlichen Differenzen schätze ich dein Engagement, denke aber, es wäre für alle (auch für Deine Klienten) nutzbringend, wenn Du Dein Verständnis von Selbsthilfe erweitern würdest.

Herzliche Grüße

Bernd

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